Autoimmunenzephalopathie / GFAP-Astrozytopathie
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Autoimmunenzephalopathie / GFAP-Astrozytopathie
Fallbericht
Ein 50-jähriger Mann ohne Vorerkrankungen stellte sich mit seit drei Monaten anhaltenden, täglichen Kopfschmerzen vor, die nicht auf rezeptfreie Schmerzmittel ansprachen. Zudem entwickelte er einen asymmetrischen Aktionstremor der oberen Extremitäten sowie Ungeschicklichkeit, die vorwiegend die rechte Hand betrafen und das Schreiben beeinträchtigten. Im Monat zuvor hatte seine Frau Persönlichkeitsveränderungen, Angstzustände und Depressionen bemerkt, und er berichtete von einer grippeähnlichen Erkrankung einige Wochen vor dem Auftreten der Symptome. Die neurologische Untersuchung ergab eine verminderte Ziffernspanne, pyramidale Zeichen mit asymmetrischer Hyperreflexie, leichte Spastik der unteren Extremitäten, zerebelläre Ataxie sowie Haltungs- und Aktionstremor. Die augenärztliche Untersuchung zeigte ein leichtes beidseitiges Papillenödem bei erhaltener Sehschärfe.
Die MRT des Gehirns zeigte eine lineare, radiale, perivaskuläre Gadolinium-Anreicherung in beiden Gehirnhälften, und die MRT der Wirbelsäule zeigte eine diffuse T2-Hyperintensität im Brustmark mit subtiler Anreicherung. Die Analyse des Liquors ergab eine lymphozytäre Pleozytose (63 WBC/μL) und einen erhöhten Proteingehalt (130 mg/dL) ohne oligoklonale Banden. Umfassende Untersuchungen auf Infektionen, Stoffwechselerkrankungen und Malignome waren negativ. Die CSF-Untersuchung war positiv für Gliales Fibrilläres Säureprotein i.e. Engl. glial fibrillary acid protein (GFAP)-IgG, was eine autoimmune GFAP-Meningoenzephalomyelitis bestätigte. Der Zustand des Patienten verbesserte sich unter hochdosierten intravenösen Steroiden, gefolgt von oralem Prednison, doch nach rascher Dosisreduktion kam es zu einem frühen Rückfall. Eine verlängerte Steroidtherapie führte zur vollständigen Genesung, und er blieb bei der Nachuntersuchung nach drei Jahren rückfallfrei.
Lehrinhalte
- Die autoimmune GFAP-Astrozytopathie ist eine entzündliche, auf Steroide ansprechende Meningoenzephalomyelitis mit oder ohne Papillenödem.
- Charakteristische MRT-Befunde, insbesondere eine radiale perivaskuläre Kontrastmittelanreicherung in der T1-Bildgebung nach Kontrastmittelgabe, können den Verdacht auf diese Diagnose stützen.
- Im Liquor lassen sich typischerweise eine lymphozytäre Pleozytose und erhöhte Proteinkonzentrationen feststellen, wobei GFAP-IgG im Liquor zuverlässiger nachgewiesen werden kann als im Serum.
- Viele Fälle von Enzephalopathie, die früher als infektiös galten, werden heute als autoimmunbedingt erkannt. Tatsächlich ergab eine aktuelle Studie der Mayo Clinic, dass autoimmune Enzephalitis ebenso häufig auftritt wie infektiöse Enzephalitis (1).
- Als Differenzialdiagnose der nichtinfektiösen Meningoenzephalomyelitis sollte die GFAP-Astrozytopathie (2) in Erwägung gezogen werden. Der Nachweis von Anti-GFAP-Immunglobulin-G sollte aus dem Liquor erfolgen.
- Eine Malignomsuche sollte – insbesondere bei ausbleibendem Therapieerfolg – gründlich erfolgen (2). Für die Differentialdiagnose siehe: Autoimmune Anti-GFAP-Astrozytopathie - DocCheck Flexikon.
- SNG Consulting empfiehlt, bei der antikörperbasierten Bildgebung Folgendes zu beachten:
Nature's Symphony
© Human Protein Atlas; available from: Subcellular - GFAP - The Human Protein Atlas
Das Projekt „Human Protein Atlas“ wird von der Knut- und Alice-Wallenberg-Stiftung finanziert
Faces of Humanity
© Human Protein Atlas; available from: Subcellular - GFAP - The Human Protein Atlas
Das Projekt „Human Protein Atlas“ wird von der Knut- und Alice-Wallenberg-Stiftung finanziert
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine E-Mail an: sng@sng-consult.de
Quellenangaben
1. Dubey, D., Pittock, S.J., Kelly, C.R., McKeon, A., Lopez-Chiriboga, A.S., Lennon, V.A., Gadoth, A., Smith, C.Y., Bryant, S.C., Klein, C.J., Aksamit, A.J., Toledano, M., Boeve, B.F., Tillema, J. and Flanagan, E.P. (2018), Autoimmune encephalitis epidemiology and a comparison to infectious encephalitis. Ann Neurol., 83: 166-177. https://doi.org/10.1002/ana.25131
2. Kather, A., Schulz, J.B. & Tauber, S.C. Seltene Ursache einer Meningoenzephalomyelitis. DGNeurologie 3, 234–237 (2020). https://doi.org/10.1007/s42451-020-00166-w
3. Mayo Clinic Laboratories: Insights: Clinical cases: Using CSF testing to confirm autoimmune GFAP meningoencephalomyelitis - Insights
4. Mayo Clinic Laboratories: TEST IE: ENC2: ENC2 - Overview: Encephalopathy, Autoimmune/Paraneoplastic Evaluation, Spinal Fluid
5.
Prof. Dr. med. Harald Prüß, Klinik für Neurologie, Charité, Universitätsmedizin Berlin und Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Berlin (Paraneoplastische Syndrome - Deutsche Hirnstiftung)










